Abnehmspritzen: Hype, Wirkung und Bedeutung für die Risikoprüfung

Warum Abnehmspritzen wie Wegovy oder Mounjaro derzeit nicht nur in den Schlagzeilen, sondern auch immer häufiger in Risikovoranfragen auftauchen, wie die Medikamente wirken und weshalb ein kurzfristiger Gewichtsverlust für die BU-Risikoprüfung allein noch keinen dauerhaften Sicherheitsgewinn bedeutet, erfahren Sie im nachfolgenden Blog.

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Wirkung
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Was sind Abnehmspritzen eigentlich?

Keine neuen Wirkstoffe – aber ein neuer Hype

Abnehmspritzen sind aktuell in aller Munde. Was für viele wie eine völlig neue medizinische Entwicklung wirkt, basiert allerdings auf Wirkstoffen, die bereits seit rund 20 Jahren eingesetzt werden.

In der Folge 48 von Biometrie2Go wird erläutert, dass das erste entsprechende Medikament im Jahr 2005 als subkutane Injektion für Menschen mit Typ-2-Diabetes zugelassen wurde. Die Medikamente wurden also ursprünglich nicht als Mittel zur Gewichtsreduktion entwickelt.

Mit der Zeit zeigte sich jedoch in Zulassungsstudien auch eine gewichtssenkende Wirkung. Entsprechende Arzneimittel wurden daraufhin bei adipösen Personen eingesetzt – zunächst teilweise außerhalb der ursprünglichen Zulassung. Heute begegnen Präparate wie Wegovy oder Mounjaro nicht mehr nur in der medizinischen Behandlung, sondern zunehmend auch in der Risikoprüfung von Versicherern.

So wirken die Medikamente im Körper

Die in den Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe ahmen körpereigene Hormone nach. Ein Beispiel dafür ist GLP-1. Dabei handelt es sich um ein natürliches Darmhormon, das nach der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet wird.

GLP-1 übernimmt im Körper mehrere Aufgaben: Das Hormon hilft dabei, den Blutzucker zu regulieren, stimuliert die Freisetzung von Insulin, verlangsamt die Magenentleerung und hemmt das Hungergefühl im Gehirn.

Im Unterschied zum körpereigenen Hormon verfügen die verwendeten Präparate über eine deutlich längere Halbwertszeit. Sie wirken daher länger. Je nach Medikament genügt deshalb eine Injektion pro Tag oder sogar nur eine Injektion pro Woche. Gespritzt wird das Präparat in das Unterhautfettgewebe.

Für wen kommt eine Behandlung infrage?

Die Medikamente sind verschreibungspflichtig und müssen von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet werden. Neben der Behandlung eines Typ-2-Diabetes können sie auch bei starkem Übergewicht eingesetzt werden.

Im Podcast werden folgende Voraussetzungen genannt:

Für Erwachsene mit einem BMI über 30 liegt eine Adipositas vor. Bei einem BMI zwischen 27 und 30 kann eine Verordnung ebenfalls infrage kommen, wenn zusätzlich mindestens eine gewichtsbedingte Erkrankung besteht. Als Beispiele werden Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte genannt.

Entscheidend ist dabei: Die Behandlung besteht nicht allein aus der regelmäßigen Injektion. Zu einer entsprechenden Therapie gehören auch eine kalorienreduzierte Ernährung und mehr körperliche Aktivität.

Biometrie2Go Panos

„Die Therapie umfasst neben der Spritze auch eine kalorienreduzierte Ernährung sowie erhöhte körperliche Aktivität.“

– Panos

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Chancen
und Risiken

Chancen
und Risiken

Wie wirksam sind Abnehmspritzen?

Rund 15 Prozent Gewichtsverlust in der besprochenen Studie

Dass die Medikamente zu einer deutlichen Gewichtsabnahme beitragen können, zeigen die in der Podcastfolge vorgestellten Studienergebnisse. In einer dort besprochenen Untersuchung lag der durchschnittliche Gewichtsverlust der Anwenderinnen und Anwender bei rund 15 Prozent.

Die Probandinnen und Probanden erhielten allerdings nicht nur das Medikament. Die Behandlung wurde durch eine umfassende Lebensstilintervention begleitet. Dazu gehörten regelmäßige individuelle Beratungsgespräche. Zusätzlich sollten die Teilnehmenden ihre tägliche Kalorienaufnahme um mindestens 500 Kilokalorien reduzieren und pro Woche mindestens 150 Minuten Sport treiben.

Der in der Studie beobachtete Gewichtsverlust stand somit nicht für eine isolierte Wirkung der Spritze. Er war Bestandteil eines Behandlungskonzepts, das die Medikation mit konkreten Veränderungen bei Ernährung und Bewegung verband.

Auch das viszerale Fett kann zurückgehen

Neben dem allgemeinen Gewichtsverlust wurde in der Studie ein weiterer positiver Effekt beobachtet: Das viszerale Körperfett reduzierte sich deutlich.

Viszerales Fett liegt tief im Bauchraum und umgibt dort die inneren Organe. Im Podcast wird erläutert, dass dieses Fett stoffwechselaktiv ist. Es gibt Fettsäuren und entzündliche Proteine direkt an die Leber ab. Eine deutliche Reduktion dieses Fettgewebes wird deshalb als wichtiger Nebeneffekt der Behandlung eingeordnet.

Kosten

Was kostet die Behandlung?

Die monatlichen Kosten unterscheiden sich je nach Präparat und Dosierung. In der Folge wird eine Spanne von ungefähr 130 bis 500 Euro pro Monat genannt.

Wird das Medikament aufgrund eines Typ-2-Diabetes verschrieben, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten in der Regel. Patientinnen und Patienten tragen dann lediglich die übliche Zuzahlung.

Anders sieht es aus, wenn die Verordnung zur Behandlung von Adipositas beziehungsweise zur Gewichtsreduktion erfolgt. Medikamente zum Abnehmen werden im Podcast als sogenannte Lifestyle-Medikamente eingeordnet. Ihre Kosten sind deshalb von der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen und müssen in der Regel selbst getragen werden.

Die finanzielle Belastung kann damit zu einem entscheidenden Faktor für die langfristige Fortführung der Behandlung werden.

Neben-wirkungen

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

In Deutschland können BU-Rente, Erwerbsminderungsrente und eine private Unfallrente grundsätzlich nebeneinander fließen. Ein gesetzliches Bereicherungsverbot BU existiert hier nicht. Entscheidend ist: Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Summenversicherung, die gesetzliche Erwerbsminderungsrente gehört zur gesetzlichen Rentenversicherung und die Unfallrente stammt meist aus einer separaten Unfallversicherung.

Diese drei Leistungsquellen folgen unterschiedlichen Rechtskreisen und werden nicht automatisch aufeinander angerechnet. Das oft zitierte Bereicherungsverbot BU wird in der Praxis daher häufig missverstanden. Wichtig ist nur, dass im Antrag alle Fragen korrekt beantwortet wurden – nicht, dass ein fiktives Bereicherungsverbot BU eine Kombination der Renten verhindert.

Biometrie2Go Panos

„Eine Patientin oder ein Patient sollte die Medikation beziehungsweise die Dosierung immer genau mit dem Arzt abstimmen und auch überwachen.“

– Panos

Nachhaltigkeit

Der entscheidende Punkt: Bleibt der Gewichtsverlust bestehen?

Eine deutliche Gewichtsabnahme kann zunächst positiv wirken. Für die langfristige gesundheitliche Entwicklung und für die Risikoprüfung ist jedoch entscheidend, ob das erreichte Gewicht dauerhaft gehalten werden kann.

Im Podcast wird erläutert, dass der Einsatz der Medikamente gegen Adipositas in der Regel eine langfristige, gegebenenfalls lebenslange Anwendung erfordert. Wird das Medikament abgesetzt, besteht das Risiko einer deutlichen erneuten Gewichtszunahme.

Eine der in der Folge genannten Studien zeigt: Nach dem Absetzen des Medikaments kann es dazu kommen, dass ungefähr 65 Prozent des zuvor verlorenen Gewichts wieder zugenommen werden. Besonders relevant ist dieses Risiko, wenn das niedrigere Gewicht im Wesentlichen durch die Medikation gehalten wurde und keine dauerhaften Veränderungen bei Ernährung, Bewegung und Verhalten erfolgt sind.

Viele Patientinnen und Patienten beenden die Behandlung

Dass eine langfristige Therapie vorgesehen ist, bedeutet nicht automatisch, dass sie auch dauerhaft fortgeführt wird.

In der Folge werden dazu unterschiedliche Studienergebnisse aus mehreren Ländern vorgestellt. In einer dänischen Untersuchung hatten 45 Prozent der Patientinnen und Patienten die Behandlung nach fünf Jahren beendet. In einer Studie aus den USA und Großbritannien hatten nach 24 Monaten bereits 65 Prozent aufgehört.

Als häufigster Grund für den Therapieabbruch werden die hohen Behandlungskosten genannt. Bei monatlichen Ausgaben von bis zu mehreren Hundert Euro ist nachvollziehbar, dass nicht jede Patientin und jeder Patient die Medikation dauerhaft finanzieren kann.

Damit wird für die Risikoprüfung eine zentrale Unsicherheit sichtbar: Ein aktuell reduziertes Gewicht sagt noch nichts darüber aus, ob die Medikation fortgeführt wird und wie sich das Gewicht nach einer möglichen Beendigung der Therapie entwickelt.

Biometrie2Go Panos

„Ein kurzfristiger Gewichtsverlust ist also kein dauerhafter Sicherheitsgewinn, solange die Medikation nicht stabil fortgeführt wird.“

– Panos

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Risikoprüfung

Was bedeuten Abnehmspritzen für die BU-Risikoprüfung?

Ob die Nutzung einer Abnehmspritze für die Versicherbarkeit positiv oder problematisch ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte kalkuliert. Ein Gewichtsverlust, der erst seit wenigen Wochen oder Monaten besteht, stellt deshalb noch keinen verlässlichen Hinweis auf ein langfristig reduziertes Risiko dar.

Für die Risikoprüfung zählt nicht allein das aktuelle Gewicht. Entscheidend sind vielmehr die Dauer der Behandlung, die Entwicklung des Gewichts, mögliche Nebenwirkungen, der Grund für die Therapie und die Frage, welche Veränderungen zusätzlich zur Medikation vorgenommen wurden.

Kurze Anwendungsdauer: Entwicklung zunächst beobachten

Nutzt eine antragstellende Person die Abnehmspritze beispielsweise erst seit einem, zwei oder drei Monaten und hat in dieser Zeit deutlich an Gewicht verloren, kann die weitere Entwicklung noch nicht zuverlässig beurteilt werden.

Im Podcast wird für solche Fälle eine mögliche vorübergehende Zurückstellung angesprochen. Dadurch kann zunächst abgewartet werden, ob die Behandlung fortgeführt wird, ob Nebenwirkungen auftreten und ob sich das Gewicht stabil entwickelt.

Eine Zurückstellung bedeutet dabei nicht, dass die Einnahme des Medikaments grundsätzlich negativ bewertet wird. Sie trägt vielmehr dem Umstand Rechnung, dass nach einer sehr kurzen Behandlungsdauer noch keine belastbare Aussage über die Nachhaltigkeit des Erfolgs möglich ist.

Längere und komplikationsfreie Anwendung

Anders kann die Situation bewertet werden, wenn das Medikament bereits über einen längeren Zeitraum eingenommen wird, keine Komplikationen aufgetreten sind und der Gewichtsverlauf stabil dokumentiert ist.

Eine längere, komplikationsfreie Anwendungsdauer kann nach der Einordnung im Podcast positiver berücksichtigt werden. Trotzdem bleibt eine ganzheitliche Betrachtung notwendig. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Gewicht verloren wurde, sondern auch, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen begleitenden Maßnahmen dies geschehen ist.

Welche Angaben sind für die Risikovoranfrage wichtig?

Damit eine belastbare Einschätzung möglich wird, sollten Vermittlerinnen und Vermittler in der Risikovoranfrage ein möglichst vollständiges Bild vermitteln. Besonders relevant sind folgende Punkte:

  • Grund der Gewichtsabnahme: War der Gewichtsverlust gewollt oder medizinisch notwendig? Bei einer medizinischen Indikation sollten die zugrunde liegenden Beschwerden und Diagnosen genannt werden. Bei einem gewollten Gewichtsverlust sollte zusätzlich geklärt werden, ob Hinweise auf eine Essstörung bestehen.
  • Dauer und Verlauf der Behandlung: Seit wann wird das Medikament eingesetzt? Wird es weiterhin regelmäßig angewendet? Wie hat sich das Gewicht während der Therapie entwickelt?
  • Nebenwirkungen und Komplikationen: Sind Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Unterzuckerungen, niedriger Blutdruck, Schwindel, Erschöpfung oder andere Beschwerden aufgetreten?
  • Gewichtsentwicklung: Wie hoch war das Gewicht zu Beginn der Therapie? Wie hoch ist es aktuell? Gab es zwischenzeitliche Schwankungen oder Phasen erneuter Gewichtszunahme?
  • Begleitende Veränderungen: Wurde die Ernährung dauerhaft umgestellt? Wird regelmäßig Sport betrieben? Wenn ja, in welchem Umfang und mit welcher Häufigkeit?
  • Medizinische Dokumentation: Liegen ein Gewichtsprotokoll beziehungsweise Gewichtstagebuch und ein aussagekräftiger Bericht der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes vor?

Warum ein Gewichtstagebuch helfen kann

Patientinnen und Patienten werden nach den Erläuterungen im Podcast dazu angehalten, ihr Gewicht regelmäßig zu dokumentieren. Ein solches Tagebuch kann auch für die Risikoprüfung hilfreich sein.

Statt nur einen einzelnen aktuellen Wert zu betrachten, lässt sich damit nachvollziehen, wie sich das Gewicht über einen längeren Zeitraum entwickelt hat. Unter Umständen kann aus mehreren Messwerten auch ein Durchschnittsgewicht gebildet und für die Beurteilung herangezogen werden.

So wird erkennbar, ob die Gewichtsabnahme gleichmäßig und stabil verlaufen ist oder ob starke Schwankungen aufgetreten sind.

Der ärztliche Bericht als zentrale Grundlage

Besonders wichtig ist ein aussagekräftiger Bericht der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. Er kann die medizinische Indikation, bestehende Diagnosen, die Dosierung, die Dauer der Anwendung, den bisherigen Gewichtsverlauf und mögliche Nebenwirkungen zusammenführen.

Für die Risikoprüfung entsteht dadurch ein wesentlich vollständigeres Bild als durch die alleinige Angabe, dass eine Abnehmspritze verwendet und Gewicht verloren wurde.

Biometrie2Go Panos

„In solchen Situationen würde ich definitiv einen aussagekräftigen Bericht vom behandelnden Arzt anfordern und einreichen.“

– Panos

Fazit

Fazit für die Beratung: Nachhaltigkeit zählt mehr als der schnelle Effekt

Abnehmspritzen können eine interessante Unterstützung bei der Gewichtsreduktion sein. Sie können das Hungergefühl reduzieren, eine deutliche Gewichtsabnahme unterstützen und dazu beitragen, dass sich auch das viszerale Körperfett verringert. Gleichzeitig sind sie weder eine kurzfristige Abkürzung noch ein Ersatz für eine umfassende Veränderung des Lebensstils.

Vermittlerinnen und Vermittler sollten ihren Kundinnen und Kunden deshalb drei Punkte verständlich vermitteln:

Erstens: Die in der Podcastfolge vorgestellten Behandlungserfolge beruhen nicht nur auf der Injektion. Die Medikation wurde mit einer kalorienreduzierten Ernährung, regelmäßiger Bewegung und individueller Beratung verbunden.

Zweitens: Für die langfristige Entwicklung sind die Fortführung der Behandlung und nachhaltige Veränderungen bei Ernährung und Bewegung entscheidend. Wird die Medikation beendet, besteht das Risiko, einen erheblichen Teil des zuvor verlorenen Gewichts wieder zuzunehmen. Hohe Kosten und mögliche Nebenwirkungen können dazu führen, dass eine ursprünglich langfristig geplante Therapie vorzeitig abgebrochen wird.

Drittens: Für die Risikoprüfung genügt das aktuelle Gewicht allein nicht. Maßgeblich sind die medizinische Indikation, bestehende Diagnosen, die Behandlungsdauer, mögliche Nebenwirkungen, der dokumentierte Gewichtsverlauf und die zusätzlich vorgenommenen Lebensstiländerungen. Ein ausführlicher ärztlicher Bericht kann diese Angaben sinnvoll zusammenführen.

Die Abnehmspritze kann für Betroffene eine Motivation und Unterstützung sein, etwas im eigenen Leben zu verändern. Nachhaltig wird der Erfolg jedoch erst dann, wenn auch Ernährung, Bewegung und bestehende Verhaltensmuster langfristig angepasst werden.

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